Saarbrücken, 04.07.2018

StadtKita-Kinder machen eine Stadtführung mit Frau Christmann im Rahmen von Patch-Work-City

11.06.2018: Eigentlich.....Patchwork "en miniature"

Montagmorgen 11 Uhr. Ich warte am Rathaus auf die zukünftigen Erstklässler  der Kindertagesstätte im Mühlenviertel. Vereinbart ist ein Stadtrundgang mit Picknick. Eigentlich.

Wolkenbruchartige Regenfälle gehen hernieder. Da helfen nur Gummistiefel und Regenjacken und wohl beschirmt begibt sich die Karawane in Richtung Rathaus. Vorsichtshalber habe ich schnell den Festsaal aufschließen lassen, denn wer weiß, was der Wettergott noch bereit hält. Da naht die muntere Schar auch schon. Fröhliche Kinderaugen schauen mich erwartungsvoll an. Und los geht's. Kaum ist Zeit für die Verteilung der Prospekte für die zahlreichen kindgerechten Aktivitäten der Landeshauptstadt, da stürmen sie schon die Treppe hoch.

Halt, erst Anoraks und Schirme ordentlich verstauen - der Ruf der Betreuerinnen verhallt nicht ungehört. Und dann stehen sie staunend im Festsaal. Die kleine Bulgarin kennt ihn schon. Sie hat bei der Eröffnungsveranstaltung von Patchwork-City vorgetanzt. Brav setzen sie sich hin. Dann stellen sich alle einzeln vor, auch die, die von der Inklusion profitieren. Sie lauschen meinen Worten über das Wappen von Saarbrücken und suchen im Raum nach weiteren Beispielen. Fasziniert bewundern sie den großen Teppich, die Schnitzarbeiten und die üppigen "goldenen" Kronleuchter. Aber besonders beeindruckt sie der große Tisch mit den weißen Orchideen.

Im Nu wird eine Trauung nachgespielt, mit Standesbeamtin, Brautpaar, Zeugen und Gästen. Sie kennen sich aus. "Ja" ertönt es begeistert. Aber wo sind die Ringe? Und wo bleibt der Kuss??? Das gefällt ihnen.

Überhaupt lieben sie das Prachtvolle. Das prunkvolle Gewand der "Industria" inmitten der Handwerkersymbole, die sie natürlich gleich erraten. Graf Johann I. von Commercy mit Krone und Gemahlin bei der Verleihung des Stadtrechts finden ebenfalls ihr Gefallen. Es scheint, dass auch heute  der Mythos von Prinz und Prinzessin nichts von seinem Reiz verloren hat. Es entgeht ihnen nichts und zum Abschluss posieren sie für das Erinnerungsfoto wie die Hühner auf der Stange auf der Bank an der Wand entlang.

Auf dem Weg ins Erdgeschoss begutachten sie den weißen Löwen aus der Zeit, als Saarbrücken mit Metz und Luxemburg Kulturhauptstadt war und lassen sich das  darauf Geschriebene vorlesen. Einige würden am liebsten auf dem Löwen reiten, aber so weit kommt es dann doch nicht.

Es regnet immer noch. Also gehen wir zum Modell der Stadtteile Altsaarbrücken und St. Johann. Schnell finden sie das Rathaus, die Johanneskirche und vor allem ihre Kita. Staunend hören sie, dass der deutsche Kaiser zur Eröffnung der Johanneskirche nach Saarbrücken gekommen ist und nach ihm die Kaiserstraße benannt ist. Schloss, Theater und Ludwigskirche sind ihnen auch bekannt und natürlich die Saar. Derweil haben einige die Keramik aus Tiflis entdeckt und erfahren etwas über die Partnerstadt. Jetzt ist ihr Wissensdurst fürs Erste gestillt und sie brauchen dringend Bewegung und außerdem knurrt der Magen. Zum Glück hat sich das Wetter beruhigt.

Aber wo jetzt picknicken? Kein Problem. Auf der Treppe seitlich vom Rathaus finden sie trockene Stellen, setzen sich auf die Anoraks und kauen friedlich vor sich hin. Gelassen verteilen die Betreuerinnen Elisa Schneider und Laila Schröter  Kekse und Wasser und versorgen auch mich.

Ein Rest Stadtrundgang bleibt ihnen dann doch noch. Sie bestaunen den von Ernst Alt geschaffenen Handlauf am Portal der Basilika St. Johann, und auch das vorgelagerte Kunstwerk der Bibel findet ihr Interesse.  Am Eckrestaurant "Die Kartoffel" geben sie zum Besten, welche Kartoffelgerichte sie kennen und natürlich ist der "Dibbelappes" dabei.

Und dann dürfen sie sich ein Eis aussuchen und in den nächsten Minuten sitzen sie still und zufrieden auf der runden Bank. Eigentlich war ja alles anders geplant, aber eigentlich war es so genau richtig.

(Autorin: Elke Christmann)